Die Junior Uni Essen wird in diesem Jahr fünf Jahre alt. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sie sich unter Leitung von Anna Frohn zu einer festen Größe in der Essener Bildungslandschaft. Die Kreishandwerkerschaft Essen unterstützte von der ersten Stunde an und steuerte praxisnahe Kursangebote bei.

Inspiriert durch das Vorbild in Wuppertal, brachte Oberbürgermeister Thomas Kufen die Idee einer Junior-Uni im Coronajahr 2020 mit nach Essen, wo sie innerhalb von nur acht Monaten auf den Weg gebracht wurde. Anna Frohn, die zuvor bei der Essener Wirtschaftsförderung (EWG) tätig war, koordinierte das Projekt von Anfang an und übernahm federführend die Geschäftsführung – gemeinsam mit Bodo Kalveram, hauptberuflich Leiter der MEO-Regionalagentur.
Trotz des Starts noch in der Pandemie im September 2021 gelang es dem Team, 32 von 33 Kursen in Präsenz stattfinden zu lassen. „Die Kinder und Jugendlichen hatten viel Homeschooling; dementsprechend war es für sie unheimlich schön, sich bei uns wieder persönlich zu begegnen“, erinnert sich Frohn. Das Kursangebot ist mittlerweile auf 200 Kurse pro Semester gewachsen, und ginge es nach Resonanz, könnten es noch deutlich mehr sein. Viele Kurse sind innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. „Der Rekord liegt bei einer Minute für ‚Physik zum Anfassen‘.“ Frohn schmunzelt. „Manche Eltern haben schon gesagt: ‚Das ist wie bei Taylor Swift, wenn man Konzertkarten ergattern will.‘“ Besonders stolz ist das achtköpfige Team aus Festangestellten sowie ungezählten Honorarkräften und Freiwilligen darauf, dass die Juniorstudierenden aus allen 50 Essener Stadtteilen kommen, wobei die Kurse größtenteils im sozial- und bildungsschwächeren Essener Norden stattfinden. 60 bis 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen stammen von dort, schätzt Frohn.
Bildung für alle
Dies entspricht dem Ziel der Junior Uni, eine Begegnungsstätte für alle Kinder der Stadt zu sein, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Um dies zu gewährleisten, sind auch die Kursgebühren mit fünf bis 15 Euro bewusst niedrig gehalten. Die Finanzierung erfolgt durch einen städtischen Zuschuss sowie durch zahlreiche Spender und Förderer. Der Erfolg gibt dem Konzept recht: Über 7.500 junge Menschen haben
in den vergangenen fünf Jahren an mehr als 700 Angeboten teilgenommen.
Eine tragende Säule des Konzepts sei Dezentralität und großer Praxisbezug, so Frohn. Hier fügt sich auch die Kreishandwerkerschaft Essen bestens ein. In deren Werkstätten lernen Kinder Berufe wie Tischler, Elektroniker oder Konditor direkt vor Ort kennen. Anna Frohn schätzt diese Zusammenarbeit sehr, insbesondere wegen der Ausbilder: „Man merkt: Sie vermitteln den Kindern nicht nur einfach Wissen,
sondern sie stecken sie auch an – mit ihrer Leidenschaft und Begeisterung für ihre Arbeit.“ Für viele Kinder sei es eine „tolle Bereicherung“, Räume kennenzulernen, zu denen sie über die Schule oder Familie sonst keinen Zugang hätten.
Zukunftsmusik: Gebäude auf Zeche Carl
Wie geht es weiter mit der Junior-Uni? Anna Frohn würde das Angebot gerne noch ausbauen, um Wartelisten zu verkürzen und noch mehr Kindern die Teilnahme zu ermöglichen. Das große Ziel für die nächsten Jahre sei zudem ein eigenes Gebäude auf dem Gelände der Zeche Carl. Das habe einen großen Stellenwert für die Identifikation, erklärt die Geschäftsführerin. Ein Architekturwettbewerb soll noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden. Die Entscheidung des Rates erwartet sie Anfang 2027. Doch auch mit einem eigenen Gebäude werde die Junior Uni „unterwegs“ bleiben, stellt die 45-Jährige klar, die selbst im Essener Norden aufwuchs und lebt. Kooperationen wie die mit der Kreishandwerkerschaft sollen fortgeführt werden, da die „echten Werkstätten“ als Lernorte unersetzlich seien.
Für Anna Frohn ist die Arbeit an der Junior Uni eine Herzensangelegenheit. Ihr Ziel bleibt es, „den Kindern möglichst viele Räume anzubieten, zu zeigen, was sie vielleicht dann auch in ihrem späteren Berufsleben machen können“. Das Handwerk wird dabei auch in den nächsten fünf Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil sein. Die Kursvorschläge für das kommende Wintersemester liegen derzeit bei der Fachkoordination. Anmeldestart ist am 13. September, 11 Uhr.
Jörn-Jakob Surkemper






