Punkten mit Familienfreundlichkeit

Dr. Andreas Jansen

Dr. Andreas Jansen (Universität Duisburg-Essen) rät zu gelebter Unterstützung in Betreuungs- und Pflegefragen.

Wie wichtig ist Familienfreundlichkeit in Zeiten des Fachkräftemangels?
Wichtiger denn je: Familienfreundlichkeit und ein modernes Familienverständnis im Betrieb können unter anderem dazu führen, dass sich Frauen stärker motiviert fühlen, ihre Arbeitszeit zu erhöhen. Oder auch dazu, dass sich mehr weibliche Azubis auf offene Ausbildungsstellen im Handwerk bewerben, weil Familienfreundlichkeit vor allem für junge Frauen ein wichtiges Thema ist. Es wäre zudem ein Signal an die Männer, dass der Betrieb nicht nur Familienfreundlichkeit gerne in Stellenanzeigen schreibt, sondern tatsächlich lebt.

Wie groß ist die Herausforderung vor allem für kleinere Betriebe?
Die Herausforderung ist riesig. Denn für ein großes Unternehmen ist es naturgemäß einfacher, direkte Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf anzubieten, etwa durch Belegplätze in einer nahegelegenen Kindertagesstätte. Das ist für kleine Betriebe nur sehr eingeschränkt möglich. Kleine Betriebe sind aber oftmals flexibler und können unkomplizierter auf individuelle Bedürfnisse und Problemlagen der Beschäftigten reagieren, im Handwerk beispielsweise durch ein Verschieben des Arbeitsbeginns auf 9.30 Uhr und das dauerhafte Öffnen des Samstagvormittags als Arbeitstag. Auch das Ansprechen von Vereinbarkeitsproblemen kann in kleineren Betrieben einfacher sein.

Bei „familienfreundlich“ denken die meisten sicherlich noch immer vor allem an Kinderbetreuung. Zu kurz gedacht, oder?
Allerdings, denn Vereinbarkeitsfragen in Betrieben ergeben sich auch bei Beschäftigten, die Angehörige pflegen. Mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung und den bereits heute spürbaren Fachkräfteengpässen im Gesundheits- und Pflegesektor rückt die Balance zwischen Beruf und Pflege verstärkt in den Fokus, übrigens auch bei männlichen Mitarbeitern. Auch darauf muss das Handwerk reagieren.

Bild: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) / Universität Duisburg-Essen

Beitragsbild: Istockphoto.com

Unsere Partner aus Industrie und Handel