„Das haben wir schon immer so gemacht!“ Im Handwerk arbeiten viele Betriebe mit gewachsenen Prozessen. Angebote, Aufträge, Rechnungen und das Lager werden in Insellösungen, Excel-Tabellen oder händisch auf Papier geführt. Dabei wächst das Angebot an Plattformen, die den gesamten Betrieb digital abbilden und echte Effizienzgewinne versprechen.

In den letzten fünf Jahren haben 100 Prozent der großen Betriebe (mehr als 50 Mitarbeitende) in die Digitalisierung investiert. Bei Betrieben mit sechs bis zehn Mitarbeitern waren es nur 57 Prozent und bei Kleinstbetrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern nur 16 Prozent. Laut der Statista-Studie „Handwerk digital“ arbeiten viele Betriebe weiterhin mit Stift und Zettel: In der Buchhaltung sind es 30 Prozent, in der Baustellendokumentation 42 Prozent und in der Lagerverwaltung sogar 50 Prozent. Bei wachsendem Personalmangel und hohen Bürokratieanforderungen ist zu befürchten, dass kleine Betriebe künftig zurückbleiben werden. Dabei gibt es inzwischen eine Fülle von Standardlösungen für mobiles Arbeiten bis zur kompletten Plattform für alle Prozesse im Betrieb – hier sind fünf wichtige Trends:
Ganzheitliche Betriebsplattformen
Der deutlichste Trend geht weg von Einzellösungen hin zu integrierten Plattformen. Systeme wie AUTARC, openHandwerk oder Hero verknüpfen Angebotskalkulation, Auftragsmanagement, Zeiterfassung, Rechnungsstellung und Dokumentation in einer Oberfläche. Das reduziert Medienbrüche und sorgt dafür, dass alle Beteiligten – vom Büro bis zur Baustelle – mit denselben aktuellen Daten arbeiten.
Mobiles Arbeiten als Standard
Smartphones und Tablets sind auf Baustellen unverzichtbar. Anwendungen wie ToolTime oder Craftnote ermöglichen es, Arbeitszeiten direkt zu erfassen, mit Fotos zu dokumentieren oder Kunden digitale Unterschriften leisten zu lassen. Das spart nicht nur Zeit im Büro, sondern dient Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Leistungen.
KI-gestützte Angebotserstellung
Künstliche Intelligenz verändert kaufmännische Prozesse im Handwerk. So kann KI auf Basis früherer Projekte automatisiert Leistungsverzeichnisse erstellen, passende Textbausteine vorschlagen und sogar bei der Preisfindung unterstützen. Dadurch werden Angebote schneller, konsistenter und weniger fehleranfällig erstellt. Dabei ist klar: Auch KI macht Fehler, weshalb jedes Angebot auf Plausibilität geprüft werden sollte.
Rechnungswesen automatisiert
Auch im Rechnungswesen sorgt KI für mehr Effizienz: Eingangsrechnungen werden automatisch erkannt, ausgelesen, verbucht und an den Steuerberater übermittelt. Viele Systeme erkennen wiederkehrende Muster, ordnen
Kostenstellen zu und reduzieren so
die manuellen Eingaben. Das beschleunigt nicht nur die Prozesse, sondern verbessert auch die Datenqualität für Auswertungen.
Datengetriebene Steuerung und Planung
Digitale Systeme liefern zunehmend Echtzeit-Kennzahlen. Die Auslastung von Teams, der Projektfortschritt, der Materialverbrauch oder die Liquidität sind jederzeit abrufbar. Diese Transparenz ermöglicht es Betriebsinhabern, fundierte Entscheidungen zu treffen, Engpässe frühzeitig zu erkennen und die Wirtschaftlichkeit systematisch zu steigern.
Fazit: Die Digitalisierung im Handwerk entwickelt sich rasant. Kleine Betriebe müssen jetzt darauf achten, den Anschluss nicht zu verlieren, wenn sie im Wettbewerb bestehen wollen. „Digitale Technologien können den Arbeitsalltag erleichtern, Zeit sparen und Abläufe in den Betrieben enorm vereinfachen. Die Chancen sind riesig – jeder sollte sie ergreifen und die Potenziale der Digitalisierung nutzen“, sagt Niklas Veltkamp vom Branchenverband Bitkom. Worauf also warten?
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