Sie hat in der IT-Welt ähnliche Funktionen wie Arbeitsschutz in der Praxis: Die neue NIS-2-Richtline soll Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden anhalten, Mindeststandards für IT-Sicherheit einzuführen. Die Realtität sieht anders aus: 9 von 10 Unternehmen haben die Vorgaben nicht vollständig umgesetzt, so das Ergebnis einer Studie der Bochumer CyberDefense-Spezialisten G DATA. Gerade für kleine Betriebe besteht Risiko.
Besonders kritisch ist die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität. Obwohl die Bedrohungslage weiter zunimmt – auch durch den Einsatz von KI – hält die Hälfte der Unternehmen das eigene Risiko für gering. Diese Fehleinschätzung kann teuer werden: Fast drei Viertel der Betriebe berichten nach Angriffen von spürbaren Folgen wie Betriebsausfällen, Datenverlust oder finanziellen Schäden. Insgesamt waren 62 Prozent der deutschen Unternehmen in den letzten 12 Monaten vom Diebstahl von Kundendaten betroffen.

Kleine Betriebe im Visier
Vor allem kleine, ungeschützte Unternehmen geraten zunehmend ins Visier von Cyberkriminellen. Ihnen fehlen häufig strukturierte Sicherheitskonzepte, klare Zuständigkeiten und Fachpersonal. Gleichzeitig wächst der Druck durch Digitalisierung und gesetzliche Anforderungen. Zwar reagieren viele Unternehmen im Ernstfall vergleichsweise schnell, doch Prävention bleibt die größte Schwachstelle. Gerade kleinere Mittelständler oder Handwerksbetriebe unterschätzen den Handlungsbedarf und bleiben technisch wie organisatorisch verwundbar – ein Einfallstor für Angriffe, die zunehmend automatisiert erfolgen. Im Arbeitsalltag spielen dabei nach wie vor E-Mail mit Phishing-Inhalten eine zentrale Rolle.
„Mit der zunehmenden Digitalisierung wächst auch die Verantwortung der Unternehmen, ihre IT zuverlässig zu schützen“, sagt Andreas Lüning, Vorstand der G DATA CyberDefense AG. „IT-Sicherheit ist heute aber nicht mehr nur ein rein technisches Thema. Sie wird dann wirksam, wenn Technologie, klare Verantwortlichkeiten und ein starkes Sicherheitsbewusstsein im gesamten Unternehmen zusammenkommen.“ Lünings Appell an kleine Betriebe: Wer jetzt nicht handelt, riskiert nicht nur Datenverlust, sondern im Ernstfall die eigene Existenz.
Für mehr digitale Sicherheit in NRW soll die neue Landesinitiative „Wirtschaft.Digital.Sicher NRW“ sorgen, die im Mai gestartet wurde und auch vom Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) unterstützt wird.
www.digital-sicher.nrw
Foto: G-DATA Cyberdefense AG






