Handwerkskammer Düsseldorf und Kreishandwerkerschaft Essen zeichnen Architektin Annemarie Grävingholt als „Auszubildende des Monats“ Juli aus 

Architektin Annemarie Grävingholt sattelte um – und fand ihr neues berufliches Glück an der  Tischlerwerkbank – Handwerkskammer Düsseldorf und Kreishandwerkerschaft Essen  zeichneten „Spätberufene“ als „Auszubildende des Monats“ Juli aus.

„Ich habe meine Tage im Büro vorwiegend am Rechner zugebracht, mit der Ausführungsplanung von bereits fertig entworfenen Projekten, oder als Bauleiterin auf den betreffenden Baustellen. Speziell diese koordinatorische Arbeit war oft sehr stressig. Die Berufsrealität hat einfach nicht dem entsprochen, was ich mir von Architektur als meinem Wunschberuf versprochen hatte“, blickt Annemarie Grävingholt auf den ersten Abschnitt ihres Erwerbslebens zurück. Oft dachte sie an jene Zeiten ihrer Hochschulausbildung an der HS Düsseldorf zurück, als sie in der Lehrwerkstatt Architekturmodelle fertigen konnte, oder an Entwürfen für Raumobjekte während eines Semesters im Studienfach Möbelbau gefeilt hatte. „Ich habe immer stärker gespürt, dass meine Berufszufriedenheit den Weg über meine Hände nehmen muss“, begründete die angehende Gestaltende Handwerkerin bei einem Pressetermin der Kreishandwerkerschaft (KH) Essen gemeinsam mit der Handwerkskammer Düsseldorf am Mittwoch in der Ruhrmetropole ihren radikalen Neubeginn vor zwei Jahren.

Anlass für das öffentliche Interesse: Annemarie Grävingholt, die seit 1.8.2024 auf dem „zweiten Bildungsweg“ eine Lehre zur Tischlerin in der Fachrichtung Möbel und Innenausbau durchläuft, erhielt aufgrund ihrer Exzellenz von Kammerpräsident Andreas Ehlert und Kreishandwerksmeister Martin van Beek in der überbetrieblichen Lehrwerkstatt der KH eine Auszeichnungsurkunde als „Auszubildende des Monats“ Juli 2026 überreicht.

(v. l.): Julia Jacob, Bürgermeisterin der Stadt Essen; Kreishandwerksmeister Martin van Beek; Annemarie Grävingholt; Präsident Andreas Ehlert und Tischlermeister Fabian Füllgräbe. (Quelle: Wilfried Meyer)

„Ich wollte nicht länger nur planen, sondern Dinge selbst bauen.“ – Das war nach fünf theoriereichen Berufsjahren als „Master of Arts“ somit der neue Plan, für den Annemarie Grävingholt nach einer Reihe von Bewerbungen und Praktika über eine Annonce auf Instagram schließlich „zu meinem Glück“ in der Werkstatt von Tischlermeister Fabian Füllgräbe fündig wurde. Der selbst gerade den Umstieg aus einer problematischen Inhaber-Kooperation mit dem Kompagnon seiner Vorgänger Firma vollzog und mitten in einem professionellen Wieder-Start in leitender Verantwortung einer Firmenneugründung steckte. Mit Firmensitz in Essen und einer Pachtwerkstatt im benachbarten Heiligenhaus. „Die Aufträge waren unverändert da, als Annemarie zum Probearbeiten anfragte, und nach acht Wochen ihrer Mitwirkung war klar: Diese Begegnung ist ein Glücksfall für uns beide,“ beschrieb Füllgräbe vor Journalisten seinerseits das gelungene Match. Denn sehr schnell hatte Annemarie Grävingholt bei den anstehenden Auftragsarbeiten im Ladenbau, in der Komplettüberarbeitung von Küchen von Alt auf Neu und bei Theken- und Mobiliarausstattungen von Gastronomiebetrieben ihr werkmanuelles Geschick und ihre fortgeschrittene Eigenständigkeit unter Beweis gestellt. „Von Beginn an konnte sie ihre Erfahrung aus CAD-Konstruktion, Planung und Architektur einbringen. Gerade die Verbindung aus digitaler Planung und handwerklicher Umsetzung ist heute im Tischlerhandwerk ein großer Vorteil. Und selbstverständlich ist auch das Management eines Auftragsprojekts bei ihr immer in guten Händen“, ergänzte Füllgräbe, dem seine Leidenschaft als (selbst noch junger) Ausbilder seines Kreativberufs inzwischen auch schon das zusätzliche Ehrenamt als Stellvertretender Obermeister der Essener Tischler-Innung „eingebrockt“ hat.


Auf den Baustellen im Gebäudeinneren sei Handlungsschnelligkeit besonders gefragt. „Gerade bei Küchenneugestaltungen geht es darum, situativ-problemlösend kreativ zu werden,“ so Füllgräbe. Jüngstes Beispiel: „Eine neue Abschlussseite für eine Küchenzeile musste an einer überraschend nicht versetzbare Theke angeklinkt werden,“ berichtete Annemarie Grävingholt aus ihrem Alltag. Die besondere Begabung von Annemarie Grävingholt ist übrigens auch bei anderer Gelegenheit während ihrer Ausbildungszeit bereits aufgefallen und öffentlich gewürdigt worden: Für die handwerklich beste Ausführung eines Kleinmöbels konnte die Auszubildende „auf dem zweiten Bildungsweg“ bei einem Leistungswettbewerb am Berufskolleg Mettmann im Mai letzten Jahres bereits eine Auszeichnung einheimsen. Kein Wunder, dass die besonders qualifizierte Berufseinsteigerin ihre Lehrzeit auf zwei Jahre verkürzen konnte.

Das ist auch finanziell von Vorteil, denn „natürlich ist diese neuerliche Ausbildungsphase – trotz vergleichsweise überdurchschnittlicher Ausbildungsvergütung in diesem Handwerk – auch eine gewisse Durststrecke“, so die Noch-Auszubildende. Umso mehr freut sich Grävingholt, deren Gesellenprüfung unmittelbar bevorsteht, über das Angebot ihres Chefs auf anschließende Übernahme in Festanstellung.

„Es passt von der Arbeit, und es passt auch zwischenmenschlich einfach supergut“, bestätigte die begabte Nachwuchskraft den vollen Erfolg ihrer Umschalt-Entscheidung aus der Welt der Planerin in die Welt der Realisateurin. „Das Beispiel von Annemarie Grävingolt zeigt klar wie selten: Es ist nie zu spät, seiner Leidenschaft zu folgen“, goss Kreishandwerksmeister van Beek seine Eindrücke vom Werdegang der „Auszubildenden des Monats“ in eine ermutigende Botschaft an alle Schulabgänger, die ihr Wunsch-Berufsziel ebenfalls noch nicht auf Anhieb gefunden haben. Kammerpräsident Ehlert wusste diese Aussage auch quantitativ zu untermauern: „Die Ausbildungszahlen im Handwerk steigen. Unser Wirtschaftsbereich profitiert von einer neuen Lust am Machen in der jüngeren Generation. Die immer häufiger auch Studierende und Hochschulabsolventen erfasst. Allein im vergangenen Jahr sind bundesweit 24.000 Studienabbrecher in eine duale Ausbildung gewechselt.“


Unsere Partner aus Industrie und Handel