Seit sich Heinz-Georg Anschott im Mai 2025 vom Vorstandsvorsitz der Geno Bank in den Ruhestand verabschiedet hat, führen Stefan Sperlbaum und Guido Janz die Genossenschaftsbank als gleichberechtigte Doppelspitze. Sie stehen für den Generationswechsel, den sie nun auch bei den Kunden bewältigen wollen. Wir haben mit ihnen über ihren Start und die Zukunft des mittelstandsnahen Kreditinstituts gesprochen.

Seit Mai 2025 bilden sie die neue Doppelspitze bei der Geno Bank: Stefan Sperlbaum (l.) und Guido Janz.
Die Geno Bank in Zahlen (Stand 2024)
Bilanzsumme 1.044,9 Mio. Euro
Einlagen 819,8 Mio. Euro
Kundenkredite 517,1 Mio. Euro
Mitarbeiter 129
Geschäftsstellen 12
Mitglieder 20.644
Kunden 30.622
Herr Sperlbaum, Herr Janz, wie ist der Wechsel im Vorstand und das erste halbe Jahr verlaufen?
Stefan Sperlbaum: Der Übergang war gut vorbereitet und verlief entsprechend reibungslos. Ich selbst bin seit Anfang 2024 im Vorstand, Guido Janz seit Oktober 2024. Seit Mai 2025 führen wir das Haus als Doppelspitze und haben auch räumlich Veränderung geschaffen: Unsere Büros liegen direkt nebeneinander, die Türen stehen meist offen. Das ermöglicht kurze Wege und eine deutlich verbesserte Kommunikation.
Guido Janz: Ich musste zu Beginn vor allem Schlüsselpositionen im Vertrieb neu besetzen. Das ist uns mit Experten gelungen, die langjährig den Essener Markt kennen und aus der Region kommen. Nun können wir mit voller Kraft die Vertriebsaktivitäten intensivieren.
Guido Janz
Der 1976 in Essen geborene Guido Janz absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Mülheim und studierte danach an der Hochschule für Ökonomie und Management. Anschließend war er als Privat- und Firmenkundenberater tätig. 2012 übernahm der Banker als geschäftsführender Gesellschafter die kaufmännische Leitung für ein mittelständisches Produktionsunternehmen. 2019 wechselte er als Bereichsleiter für das Kompetenzcenter Firmen- und Immobilienkunden zur Sparkasse Schwelm-Sprockhövel, seit 2023 als Verhinderungsvertreter des Vorstands. Seit Oktober 2024 verantwortet Janz im Essener Vorstand das Firmenkundengeschäft und ab Mai 2025 auch das gesamte Privatkundengeschäft. Er lebt mit seiner Frau und seiner Tochter an der Essener Stadtgrenze in Mülheim.
2024 ging im Firmenkundengeschäft das Kreditvolumen um 7,6 % auf 412 Mio. Euro zurück. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung? Konnten Sie bereits eine Kehrtwende erzielen?
G. J.: Dieser Rückgang war der wirtschaftlichen Gesamtlage, einer gewissen Investitionszurückhaltung und der Rückführung von Fördermitteln geschuldet. Im Neukreditgeschäft verzeichneten wir 2025 wieder ein Netto-Plus von knapp fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es war das stärkste Jahr im Neugeschäft seit 2010. Auch auf der Passivseite ist die Bank gewachsen; die Einlagen von Privatkunden stiegen um 3,7 Prozent.
Womit können Sie denn gegenüber anderen Banken besonders punkten?
G. J.: Wir zeichnen uns durch eine sehr hohe Kundennähe und hohe Erreichbarkeit aus. Das gilt auch für uns als Vorstand. Ich habe im vergangenen zum Beispiel rund 350 Kundentermine selbst wahrgenommen. Diese Nähe wurde durch die mehrfache Auszeichnung als „Beste Bank vor Ort“ in der Privatkundenberatung bestätigt, was uns sehr stolz macht. Gleichzeitig haben wir die DZ Bank, also die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, mittlerweile zweitgrößte Bank Deutschlands, als Verbundpartner im Hintergrund.
Durch diesen Schulterschluss können wir unseren Kunden das gesamte Leistungsspektrum einer Großbank anbieten.
S. S.: Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Banken ist, dass viele Kunden gleichzeitig Mitglieder und somit Miteigentümer der Bank sind. Über ihre Geschäftsanteile können sie in der Vertreterversammlung mitwirken und als Aufsichtsrat die Geschäftsführung des Vorstandes überwachen.
Stefan Sperlbaum,
geboren 1977 in Lippstadt, verheiratet und Vater von 2 Töchtern, hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der damaligen Dresdner Bank AG in Ostwestfalen begonnen. Es folgten berufliche Stationen in mehreren regionalen Kreditinstituten, seit 2010 in Führungsfunktionen verschiedener Fach- und Kreditabteilungen. Seit 2018 ist er in der Geno Bank Essen eG als Bereichsleiter Kreditmanagement mit Prokura tätig, seit Anfang 2024 im Vorstand, wo er nun für Risikomanagement, Personal und die strategische Entwicklung zuständig ist. Stefan Sperlbaum lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Hilden bei Düsseldorf, beabsichtigt aber einen Umzug nach Essen.
Wie macht sich das für die Kunden bemerkbar? Bekomme ich bei Ihnen eher einen Kredit?
S. S.: Wir sind sehr schnell bei unseren Entscheidungen. Und das ist heute oft wichtiger als der letzte Zehntelpunkt beim Zins. Wir entscheiden wöchentlich über Kreditanträge und haben die Durchlaufzeiten massiv verkürzt. Der Kunde weiß bei uns sehr schnell, woran er ist.
Herr Janz, Sie kennen ja auch die Kundenseite, waren einige Jahre als Geschäftsführer in der Verpackungsindustrie tätig. Was hat Sie damals zu dem Wechsel bewogen?
Nach 14 Jahren bei der Sparkasse wollte ich auch die andere Seite des Schreibtischs kennenlernen. Ich suchte die Herausforderung, als Unternehmer selbst Verantwortung zu tragen und zu sehen, ob ich meine theoretischen Kenntnisse auch praktisch umsetzen kann – physische Produkte zu erschaffen, die weltweit vertrieben wurden, statt wie in der Bank nur mit Zahlen zu arbeiten. Diese Zeit war sehr lehrreich und persönlich bereichernd, und ich profitiere noch heute davon, da ich die Sorgen, die schlaflosen Nächte, aber auch den Spaß am Erfolg eines Unternehmers sehr gut nachempfinden und verstehen kann. Der Wechsel zurück war vor allem familiär bedingt: Als junger Vater wollte ich weniger reisen, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Auch die Frage, ob ich das Bankgeschäft noch beherrsche, reizte mich.
Eine weitere Besonderheit der Geno Bank ist das eigene Immobilienportfolio mit rund 300 Wohnungen – ein noch ausbaufähiges Geschäftsfeld?
S. S.: Die Entscheidung für das Invest in Immobilien war zur damaligen Niedrigzinsphase betriebswirtschaftlich exzellent und generiert heute Mieterträge von rund fünf Millionen Euro jährlich. Aufgrund der gestiegenen Baukosten und Zinsen planen wir aber keine Neuinvestitionen, sondern konzentrieren uns auf die Instandhaltung, wobei wir eng mit dem lokalen Handwerk zusammenarbeiten.
Apropos: Gibt es spezielle Dienstleistungen und Kompetenzen, von denen das Handwerk profitieren kann?
G. J.: Als Bank des Mittelstandes haben wir für alle Fragen spezialisierte An-
sprechpartner, etwa für die Themen Existenzgründung oder Unternehmensnachfolge, die ja auch fürs Handwerk große Themen sind. Hier sind wir Lösungsmanager und Sparringspartner.
Wo wollen und müssen Sie noch besser werden?
S. S.: Wir haben intern einen Generationenwechsel vollzogen und investieren bewusst in unsere Unternehmenskultur. Unser Ziel ist eine klare Vertriebsausrichtung. Wir setzen auf ein starkes Miteinander und möchten uns noch enger in der Region verwurzeln.
G. J.: Ein wesentlicher Baustein ist dabei die Intensivierung des Jugendmarktes. Wir nutzen auch verstärkt Social-Media-Kanäle, um uns als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und junge Zielgruppen zu erreichen.
Zum Abschluss eine persönliche Frage: Wie tanken Sie in Ihrer Freizeit auf?
G. J.: Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie. Zudem halte ich mich mit Kraft- und Ausdauersport fit und habe das Golfspielen für mich entdeckt – ein Sport, bei dem ich als ehemaliger Ringer nunmehr gegen mich selber antrete.
S. S.: Das ist bei mir ähnlich. Meine Frau und ich sind zudem sehr kulturinteressiert und oft in der Philharmonie oder im Aalto-Theater anzutreffen. Sportlich sieht man mich bei lokalen Laufveranstaltungen, wie dem Essener Firmenlauf und dem Förderturm-Charitylauf, an dem wir auch als Bank häufig mit großen Teams teilnehmen.
Gespräch: Jörn-Jakob Surkemper
Foto: Kerstin Bögeholz






