Nicht das eine große Gesetz – die Summe der Pflichten
Es ist selten die eine große Vorschrift, die Handwerksbetriebe an ihre Grenzen bringt – es ist die Fülle vermeintlich kleiner Pflichten, die sich Woche für Woche zu einem echten Zeitfresser summiert. Das ist das deutliche Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Kreishandwerkerschaft Essen unter ihren Mitgliedsbetrieben aus den verschiedensten Gewerken – vom Sanitär- und Heizungsbau über das Dachdecker-, Maler-, Tischler-, Elektro- und Kfz-Handwerk bis hin zu Friseuren und Gebäudereinigern.
Eine ganze Arbeitswoche für den Papierkram
Nahezu alle befragten Betriebe verbringen jeden Monat etliche Stunden ausschließlich mit administrativen Vorgaben. Bei einem Großteil der Handwerkerinnen und Handwerker beläuft sich dieser Aufwand auf zehn Stunden und mehr pro Monat, in Einzelfällen sogar auf über 40 Stunden. Das bedeutet: Bis zu eine komplette Arbeitswoche geht Monat für Monat im Büro verloren – Zeit, die auf der Baustelle, in der Werkstatt und beim Kunden fehlt.
Als größte Belastungsfaktoren kristallisieren sich in der Umfrage der Arbeitsschutz und allgemeine Dokumentationspflichten heraus, dicht gefolgt von der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), Nachweis- und Aufbewahrungspflichten sowie Vorgaben aus der Steuer- und Finanzverwaltung.
Viele kleine Nadelstiche lähmen den Alltag
Ob Gefährdungsbeurteilung für jede einzelne Baustelle, elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), Statistikmeldungen an Landes- und Bundesämter, Entsorgungsnachweise für Reifen und Betriebsmittel, langjährige Aufbewahrungsfristen für Rechnungen, Dienstpläne, Fahrtenbücher oder Gefahrstoff- und Brandschutzdokumentationen: Jede einzelne Pflicht mag für sich genommen harmlos wirken. In der Gesamtheit entwickeln sie sich jedoch zu einer massiven Hürde. Hinzu kommen zahlreiche gewerkespezifische Sonderregelungen, die oft für völlig andere Zusammenhänge geschaffen wurden und für kleine Handwerksbetriebe kaum praxisgerecht umsetzbar sind.
Martin van Beek, Essens Kreishandwerksmeister, bringt die Sorgen der Betriebe auf den Punkt: „Unsere Handwerkerinnen und Handwerker wollen anpacken, gestalten und für ihre Kundschaft da sein – anstatt wertvolle Stunden mit immer neuen Formularen und Nachweisen zu verbringen. Nicht ein einzelnes Paragrafenwerk erdrückt das Handwerk, sondern die Unmenge an alltäglichen bürokratischen Nadelstichen. Wir brauchen endlich spürbare Entlastungen, die in den Betrieben auch wirklich ankommen: Verfahren müssen konsequent digitalisiert, Nachweispflichten gebündelt und Praxistauglichkeit wieder an erste Stelle gesetzt werden. Gerade kleine und mittlere Betriebe ohne eigene Verwaltungsabteilung benötigen diese Zeit dringend für das, was sie am besten können – ihr Handwerk.“
Die Forderung des Handwerks: Entrümpeln, bündeln, digitalisieren
Das Urteil der Essener Handwerksbetriebe fällt über alle Branchen hinweg eindeutig aus: Sie fordern eine Reduzierung von Dokumentationspflichten, eine Zusammenfassung von Nachweisverfahren sowie einfache, durchgängig digitale Abläufe. Nur wenn der Dschungel aus Sonder- und Aufbewahrungspflichten nachhaltig gelichtet wird, bleibt dem Handwerk wieder der nötige Freiraum für Qualität, Ausbildung und Kundenservice vor Ort.







